Poker in den Büchern
Es gibt Leute, die glauben, wer Poker richtig lernen will, muss spielen, spielen, spielen. Und dann gibt es Leute, die sagen, ohne theoretischen Unterbau läuft da nichts. Ich finde, beide haben Recht. Ich finde aber auch, dass Literatur dazugehört, und wer denkt, Bücher lesen ist öde, der hat keine Ahnung, und wer sagt, ich habe keine Zeit, der lügt.
Ich jedenfalls greife zumindest alle paar Monate mal zu etwas Fachliteratur. Zuletzt habe ich Professional No Limit Hold’em von Flynn, Mehta und Miller gelesen. Nicht gerade einfache Kost, muss ich schon sagen.
Zwar steht am Anfang die übliche Einführung in grundlegende Konzepte mit TAG, LAG usw., aber das ist relativ kurz gehalten, und dann geht’s auch schon ans Eingemachte. Übrigens geht’s den drei Autoren nicht um Turnierpoker, sondern ausschließlich um Cash Game. Und man merkt schnell, dass hier Leute zusammengearbeitet haben, die Poker aus verschiedenen Blickwinkeln betrachten, also sowohl aus spielerischer als auch mathematischer.
Wer bisher gedacht hat, REM habe irgendwas mit Schlafforschung zu tun, wird hier eines Besseren belehrt. Da ist nämlich die Abkürzung von Range, Equity, Maximize und bezieht sich darauf, den Gegner auf eine Handrange zu setzen, davon seine Fold Equity abzuleiten und im besten Fall die maximale Chipmenge aus ihm herauszuquetschen. Und das Ganze möglichst unauffällig.
Noch stärker im Zentrum des Buchs steht die SPR (stack pot ratio). Zunächst bedeutet das nur, wie viele Chips man auf dem Flop im Verhältnis zum Pot besitzt, um anhand dessen abzuschätzen, ob es sich lohnt, in der Hand zu blieben oder nicht. Grob gesagt also „Implied Odds“, allerdings gehen die Autoren hier ziemlich ins Detail. Ein gewisses mathematisches Verständnis ist da schon gefragt.
Professional No Limit Hold’em ist also wirklich kein buch für Anfänger, obwohl es sich hier um den ersten Band handelt, also offenbar mindestens eine Fortsetzung geplant ist. Ich würde zwar nicht behaupten, dass ich alles verstanden habe, aber gelohnt hat es sich schon. Vielleicht begreife ich den Rest ja beim zweiten Durchlesen.









